Schwarz-Weiß-Fotografie | Farbe killt Emotionen

Schwarz-Weiß-Fotos findet man bei den meisten Hochzeitsfotografen im Portfolio. Bei manchen weniger bei manchen sehr viel. Ein bisschen was aber fast immer.

Ich heiße Axel und wenn ihr die Reportagen auf meiner Seite anschaut, werdet ihr feststellen, dass ein großer Anteil der Bilder in Schwarz-Weiß fotografiert ist. Den allermeisten Brautpaaren und allen anderen Menschen gefallen Schwarz-Weiß-Bilder. Euch auch? Aber ihr wisst nicht warum? Das kann ich euch sagen. Vielleicht nehmt ihr auch was für eure nächsten Urlaubsbilder mit.

 

Farbe killt Emotionen

Es gibt ein paar Grundzüge, nach denen jeder Mensch sich ein Bild anschaut und danach entscheidet, ob ihm ein Bild gefällt oder nicht.

Neben Linienführung und Bildeinteilung spielt der Tonwert- und Farbkontrast eine entscheidende Rolle. Der Blick des Menschen geht immer zuerst (und dann immer wieder) auf den höchsten Tonwert- und Farbkontrast im Bild.
Schaut euch eine weiße Wand an, auf die jemand nen Ketchup-Fleck gemacht hat. Egal wie klein der Fleck ist, euer Blick wird immer und immer wieder zu dem roten Klecks wandern. So verhält sich das auch mit Bildern, wenn im Hintergrund ein Mann mit einer knallgelben Krawatte steht oder ein Kind mit buntem Luftballon durchs Bild rennt.

 

 

Hier ein Bild, das ich sehr mag. Es spielt sich über mehrer Ebenen ab und wir haben viele Blickrichtungen von Leuten die das Auge des Betrachters durchs Bild lenken. Im Vordergrund die kleinen Kinder die das Tanzen für sich entdecken. Dann die Kleine in der Mitte die sich das Ganze neugierig anschaut. Und das Brautpaar im Hintergrund, das die volle Situation überblickt und sich über diesen süßen Moment freut und amüsiert.

Schaut euch jetzt das Bild mal in Farbe an und achtet darauf, ob es die selbe Wirkung auf euch hat.

 

 

Achtet mal, worauf euer Blick wandert.

Wenn ihr zu dem selben Ergebnis wie ich kommt, dann fällt die Betrachtung deutlich schwerer, weil das Auge hin und her springt und der schöne Moment überhaupt nicht so deutlich wird als in Schwarz-Weiß.

Ich habe euch die Probleme nochmal dargestellt:

 

 

Mich stört hauptsächlich die blaue Reflexion am Boden beim zuschauenden Mädchen, das leuchtende Handydisplay der laufenden Frau (die vorher gar nicht wirklich aufgefallen ist) und das grüne Notausgangslicht hinterm Kopf des Bräutigams. Ich habe euch noch ein paar störende Farben eingekreist.

In Schwarz-Weiß fehlt die Farbe und der Helligkeitskontrast wirkt deutlich weniger störend als die zusätzlichen Farben dazu.

Das Gehirn braucht etwas länger um die Situation zu begreifen und wird immer wieder von den Farben abgelenkt. Dadurch geht der Blick aufs Wesentliche verloren und die Emotionen im Bild kommen weniger deutlich rüber.

Es müssen auch nicht immer große Emotionen sein die darunter leiden. Auch relativ normale Situationen verlieren an Wirkung, wenn die Farbe im Bild bleibt.

 

 

Ich vermute mal, ihr habt euch auf den Bräutigam beim Deorisieren konzentriert und weniger auf den Raum. Das fällt deutlich schwerer, wenn ihr das Bild in Farbe seht.

 

 

Schön die blaue Ikea-Tasche.

 

Ruhiger und echter

Dadurch, dass also keine Farbe den Blick lenkt, kann man das Bild ruhiger betrachten und hat weniger Ablenkung vom Inhalt und der Aussage des Bildes. Ein Schwarz-Weiß-Foto wirkt somit oft echter als in Farbe. Die Umgebung ist zwar abstrakter, das Wesentliche jedoch stärker betont.

Für den Fotografen bedeutet das im Umkehrschluss aber auch, dass er ein starkes Werkzeug aus seinem Werkzeugkasten wirft. Oft kommt es vor, dass ein Bild plötzlich langweilig wirkt, weil die Farbe eine wichtige Säule des Bildes war. Also muss man diese Leere mit anderen Inhalten füllen um die fehlende Farbe auszugleichen. Ein gutes Schwarz-Weiß-Bild braucht zwingend Inhalt – ein knalliger Sonnenuntergang sieht immer gut aus.

 

Geschmackssache und Ästhetik

Jeder Mensch hat eine andere ästhetische Wahrnehmung. Der eine mag Vanille, der andere Erdbeere. Unser Geschmack wird durch Erfahrungen definiert. Ich zum Beispiel liebe alte Filme. Das erklärt wohl, warum ich Schwarz-Weiß liebe.
Die meisten Menschen verbinden schöne Erinnerungen an Schwarz-Weiß-Bilder. Die alten Hochzeitsfotos der Großeltern und die Kinderbilder von Mama und Papa. Dazu noch das jährliche Dinner-for-One.

 

Sepia und Color Key

Trends gibt’s immer. Und es hat seinen Grund, warum sie irgendwann enden. Schwarz-Weiß-Bilder sind keine Effekthascherei. Wie oben beschrieben, braucht man mehr Inhalt um die Farbe zu ersetzen. Schwarz-Weiß soll auch keine alte Aufnahme nachahmen.

Sepia (also wenn das monochrome Bild einen Braunton verpasst bekommt) und Color Key (alles in Schwarz-Weiß, nur z.B. der Brautstrauß in Farbe) sind die Holzhammermethoden in der Fotografie:
„Seht mich an, ich bin ein interessantes Bild“ – meistens leider nicht. Viele finden das toll, wenn man es das erste Mal sieht. Es ist neu und man kennt es noch nicht. Wenn sich der Effekt mal abgenutzt hat, schüttelt man einfach den Kopf darüber. Deshalb gibt’s von mir auch keine Beispielbilder dafür, sondern stattdessen noch ein paar meiner Hochzeitsbilder.

 

 

 

 

 

 

Axel Link (Axel Link Photography) | Hochzeitsfotograf | www.axel-link.de